PFARRHAUS KRUMBACH

Die Gemeinde Krumbach verfolgt seit über zehn Jahren ein engagiertes Bauprogramm, welches sich im Wesentlichen mit der baulichen Entwicklung des Dorfkerns befasst. Als Meilenstein dieses Prozesses wurde im November 2013 das ‚Pfarrhaus‘ fertiggestellt.
In seiner Funktion als Kultur- und Mehrzweckgebäude hat das ‚Pfarrhaus‘ neben seiner baulichen Präsenz am Dorfplatz einen wichtigen Platz im öffentlichen Dorfleben eingenommen. Sind doch neben dem Pfarrsaal (Kleiner Dorfsaal), der Pfarrkanzlei samt Pfarrwohnung, die öffentliche Bücherei und das Probelokal für Musikverein und Chor in diesem Gebäude vereint.
Dieses breite Spektrum an Nutzungen sorgt für eine zuätzliche Belebung des Krumbacher Dorfkernes.

Die homogene und hochwertige Materialisierung 
des Gebäudes erschliesst sich bereits über seine 
Fassadengestalt.
Grosszügig gesetzte Öffnungen gliedern den auf 
einem verputzten Sockel ruhenden Baukörper. Die Einfassungen der Öffnungen sind in massivem Eichenholz ausgeführt, die Fenster in heimischer Fichte.
Der vertikale Weisstannen-Fassadenschirm, als Wechselfalzschalung mit unterschiedlichen Breiten, verleiht dem Gebäude einen leichten, spielerischen Eindruck.

Abgeschlossen wird der Baukörper von einem markanten Walmdach, das mit Eternit-Rhombusplatten eingedeckt ist.
Die Dachform nimmt Bezug zum historischen 
Bestand, der bis gegen Ende der 1970-er Jahre das Krumbacher Dorfbild prägte.

Das Gebäude, in seinen Abmessungen von 15,9 x 22,7 m ist ab der Kellerdecke als reiner Holzbau ausgeführt.

Die stützenfreie Überspannung des zentralen Pfarrsaales von 10,5 m im Erdgeschoss, verlangte nach einer besonderen statischen Lösung.
Eine überhohe Mittelwandscheibe, in Gebäudelängsrichtung gespannt, trägt zusammen mit den Aussenwänden die Dach- und Deckenlasten ab. Die Deckenelemente über dem Saal wurden aufgrund ihrer statischen Anforderung als Hohlkastenelemente ausgeführt, die zwischen den Wandscheiben eingehängt sind.

Ökologisch nachhaltiges Bauen zeichnet sich auch durch ein ‚Bauen der kurzen Wege‘ aus.
Aufgrund des vitalen Handwerks in der Region Bregenzerwald war es möglich, zwei Drittel der Arbeiten von lokalen Firmen ausführen zu lassen, die aus einem Umkreis von maximal 30 km stammten.

Ökologisch nachhaltiges Bauen bedeutet auch die Verwendung lokaler Ressourcen.
Das Gebäude ist ab der Bodenplatte des Erdgeschosses als 
reiner Holzbau ausgeführt. Bei der Ausführung der Aussenwände, Decken und Dachkonstruktion wurden wann immer konstruktiv möglich mit Bedacht Vollholzquerschnitte eingesetzt.

Was für das Konstruktionsholz galt, erfuhr konsequent im Innenbereich seine Fortführung.
Alle Wand- und Deckenverkleidungen sind in heimischer Weisstanne ausgeführt, die Böden in massiven Eichendielen.
Alle Hölzer sind unbehandelt verbaut. Nicht nur aus ökologischen Aspekten, sondern auch um an die traditionell unbehandelte Verwendung des Holzes im Innenbereich anzuknüpfen.

Beschafft wurde das Bauholz zu einem Grossteil durch Eigenholzbringung der Gemeinde.
Gesellschaftlich nachhaltiges Bauen zeichnet sich dadurch aus, dass eine kleine Gemeinde seinen Bürgern eine Infrastruktur schafft, die ein lebendiges Dorfleben fördert und bestmöglich unterstützt.

Bauherr: Gemeinde Krumbach
Arbeitsgemeinschaft mit Bernardo Bader Architekten und Hermann Kaufmann Architekten

Fotos: Adolf Bereuter

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