Entgegen dem Konzept vergleichbarer Messen, die in einem Guss gebaut wurden und ein homogenes Erscheinungsbild in der Gebäudegestaltung aufweisen, will sich die Messe Dornbirn mit baukünstlerisch herausragenden Einzelbauwerken profilieren. Mit den architektonisch und bausubstanziell wertvollen Hallen 1 (Architekten Cukrowicz-Nachbaur), 6 (Kaufmann 96 GmbH, Johannes Kaufmann, Oskar Leo Kaufmann und Leopold Kaufmann) und 13 (Architekten Rainer-Amann) wurde das Grundgerüst dazu gelegt. Mit den 2017 eröffneten Hallen 9 bis 12 (Architekten Marte.Marte) wurde ein gewichtiger Schritt gesetzt, durch architektonische Vielfalt und Qualität ein gestalterisches Alleinstellungsmerkmal in der Messelandschaft abzubilden.

Mit dem Neubau der Halle 5 sollte ein weiterer Schritt in diese Richtung getan werden. Die neue Halle 5 soll sich nahtlos in das bestehende Ensemble aus verschiedenen Hallen unterschiedlichster Typologie einfügen. Jede der bestehenden Hallen weist ihre eigene Charakteristik auf – diese Vielfalt schafft ein attraktives architektonisches Wechselspiel zwischen den Hallen. Mit der neuen Halle 5 wird ein einfacher Baustein zwischen die Eishalle 6 und die Halle 4 geschoben, der Baukörper nimmt in Form und Farbe eine neutrale Position ein und lässt in seiner Struktur alle baulichen Optionen für künftige Entwicklungen im Gebiet offen.

Der Neubau gliedert sich in zwei wesentliche Bereiche – der eigentlichen Halle in Massivbauweise mit einem Dach in Holzbauweise und einem Servicebereich in reiner Massivbauweise mit Erschließungstrakt und Nebenräumen. Die Klarheit der äußeren Erscheinung setzt sich auch im Inneren fort. Über logische Erschließungswege und offene Sichtbeziehungen in alle Richtungen soll den Besuchern die Orientierung erleichtert werden. Der Zugang für die Besucher- und die SportlerInnen erfolgt über ein großzügiges Foyer, das eine Längsverbindung zwischen dem östlichen Außenbereich und dem westlichen Freigelände schafft. Dabei bietet die westseitig auskragende Fassade einen großzügig überdachten Vorbereich zum Eingang und für die Anlieferung zur Halle.

Zwischen Halle und Foyer befindet sich im Erdgeschoss eine Servicezone die Lagerflächen und den Sanitärbereiche beherbergt. Jeweils in den Kreuzungspunkten der Verbindungsachsen zwischen Halle 4 und Halle 5 befinden sich drei Lichthöfe die das Foyer aufwerten und die Orientierung im Gebäude erleichtern sollen.Über zwei Treppenzugänge gelangt man ins Obergeschoss. Hier befinden sich die Nebenräume zu den Sporthallen wie Umkleiden, Betreuerräume und andere Nebenräume. Über eine offene Galerie mit zwei Stehplatzreihen für ca. 300 Personen hat man einen guten Einblick in die Halle. Westseitig öffnet sich ein Fenster zum Freigelände. Stirnseitig angeordnet befindet sich der Gymnastikraum sowie der gegenüberliegende Kraftraum, beiden erhalten über eine vorgesetzte perforierte Metallfassade einen Außenbezug.

Die neue Messehalle 5 ist als Dunkelhalle konzipiert. Aufgrund der Brandschutz- und Schallschutzanforderungen bietet sich eine Ausführung in Massivbauweise an. Die Stahlbetonwände der Halle sind mit vorgesetzten und schwarz lasierten Sperrholzelementen, im oberen Wandbereich akustisch wirksam, verkleidet. Die Dachkonstruktion ist in Holzbauweise ausgeführt. Dabei tragen 36 Brettschichtträger (GL24h) im Achsenabstand von 2,50m ein Sekundärsystem bestehend aus 6cm starken Brettsperrholzelementen (S7) und einem gedämmten Bitumendach. Für die Aussteller sind Hängepunkte an den Hauptträgern im Raster von ca. 5 x 5m (zu je 250kg) vorgesehen. Die lichte Hallehöhe beträgt 9,0m.

Auch die neue Halle ist weiterhin als multifunktionale Halle mit dem Schwerpunkt Sport ausgelegt. Die Maximalbelegung der Halle im Messebetrieb bzw. für andere Veranstaltungen ist auf 1.000 Personen ausgelegt. Die Ausstellungsfläche erhält einen Belag aus Feinasphalt, welches eine vielseitige Nutzbarkeit ermöglicht. Die Hallenbereiche für den Badmintonsport (1.203m2) und das Turnsportzentrum (1.523m2) werden durch einen mobilen Trennwandvorhang getrennt. Die Parkierung der Trennwand erfolgt zwischen den Holzträgern.

Aufgrund der Anforderung der Messe und des Sports für ein blendungsfreies Licht in der Halle ist keine Belichtung mit Tageslicht vorgesehen. Die Galerieebene – die auch barrierefrei über einen Lift erreicht werden kann – bietet Platz für Besucher die über einen eigenen Kiosk versorgt werden können.

So, wie die bestehenden Hallen ihre eigene unverwechselbare Charakteristik aufweisen, soll auch die neue Halle 5 als unverkennbare Halle mit einem Wiedererkennungswert auftreten. Dabei sollen vor allem Hell-Dunkel-Kontraste in Form von Licht-Schatten-Texturen wahrgenommen werden. Am Vordach der Westfassade bilden in einem vorgelagerten Bereich weiße Metallstäbe einen Stützenwald, der bei Bewegung des Betrachters durch die drei zueinander rhythmisch versetzten Stützenreihen in der perspektivischen Wahrnehmung ständig verändert erscheint.

Ein ähnliches, allerdings statisches Muster, gliedert die restliche Metallfassade. Hier wechseln sich Metallpaneele mit unterschiedlichen Beschichtungen (Schwarz, Weiss, Anthrazit) und variierenden Oberflächen (matt, glänzend, perforiert) ab und gliedern die Fassade durch ein Wechselspiel von stehenden Flächen.

Bauherr: Messe Dornbirn, Stadt Dornbirn, Land Vorarlberg
Bauleitung: Albrecht Baumanagement GmbH, Dornbirn
Projektplanung Turnsport: Architekt Gerhard Zweier, Wolfurt
Tragwerksplanung Massivbau: M+G Ingenieure, Feldkirch
Tragwerksplanung Holzbau/Stahlbau: gbd Gruppe Bau, Dornbirn
Elektroplanung: Ingenieurbüro Hiebeler + Mathis OG, Hörbranz
Haustechnikplanung: GMI Peter Messner GmbH, Dornbirn
Bauphysik: Bernhard Weithas GmbH, Lauterach

© Fotos: Günter König, Dornbirn

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